BESONDERE ORTE

Modell für morgen und heute

© Zooey Braun, Stuttgart
© Zooey Braun, Stuttgart

Das Bauen und Wohnen der Zukunft wurde im Stuttgarter Norden bereits einmal vorgemacht. Im Jahre 1927 innerhalb weniger Monate erbaut, kam die hiesige Weissenhofsiedlung auf dem Killesberg – mit den Entwürfen verschiedener weltberühmter Architekten wie Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier – einer Revolution im Bauwesen gleich: Fast schon logisch, dass an diesem Standort auch das weltweit erste Aktivhaus aufgebaut wurde. Denn an die Bauhaus-Tradition von Zukunft und Perspektive knüpfte der Stuttgarter Architekt und Bauingenieur Werner Sobek mit seinem Aktivhaus an: „Es demonstriert, wie sich zukunftsfähige Gebäude, neue Mobilitätskonzepte und eine quartierbezogene Energieversorgung intelligent und nachhaltig miteinander verknüpfen lassen“, erklärt Werner Sobek. Das an einem Tag montierte Aktivhaus ist Teil des von der Bundesregierung geförderten Forschungsclusters „Schaufenster Elektromobilität“. Das Forschungsprojekt – nach seinem Standort im Bruckmannweg 10 kurz „B10“ genannt – ist ein Aktivhaus. Dank eines ausgeklügelten Energiekonzepts und einer selbstlernenden Gebäudesteuerung erzeugt es das Doppelte seines Energiebedarfs selbst, und zwar aus nachhaltigen Quellen. Mit dem gewonnenen Überschuss werden zwei Elektroautos und das unter Denkmalschutz stehende Haus des Architekten Le Corbusier (seit 2006 Heimat des Weißenhofmuseums) versorgt. „Neue Häuser sollen alte mitversorgen können – wir nennen dies das Prinzip der Schwesterlichkeit“, fasst Werner Sobek seinen Ansatz zusammen. „Energie wird dadurch dort verbraucht, wo sie erzeugt wird – und nach Möglichkeit vor allem dann, wenn sie gerade besonders günstig ist.“ Das Gebäude selbst wurde in einer hochwärmegedämmten Holztafelbauweise von dem auf Vorfertigung im Holzbau spezialisierten Unternehmen SchwörerHaus ausgeführt. Dabei kommt dem modular aufgebauten B10 diese Gestaltung nicht nur beim Bauprozess, sondern im Umkehrschluss auch beim Rückbauprozess zugute. An die Stelle eines zerstörenden Abrisses tritt ein zerstörungsfreies Demontieren und Sortieren der unterschiedlichen verbauten Materialien. Dieser zu Beginn der Planung berücksichtigte Rückbau ist Teil einer Haltung, die die gebaute Umwelt bewusst als ephemer versteht. Insbesondere im Kontext der baugeschichtlich und kulturell bedeutenden Weissenhofsiedlung, in deren Mitte sich das Gebäude einfügt, spielt dieser Aspekt eine relevante Rolle. Das Gebäude versteht sich als Gast, der nur vorübergehend in seiner jetzigen Umgebung ruht. Es ist so konstruiert, dass es am Ende seiner Nutzungszeit problemlos rückgebaut oder versetzt werden kann. Die Holzbauteile wurden weder gestrichen noch anderweitig beschichtet, um eine perfekte Rezyklierbarkeit zu gewährleisten. Die aus unbehandeltem Holz bestehenden Wände sind innen und außen mit Textil bespannt – eine leicht um- beziehungsweise rückbaubare Konstruktion, die sortenrein zerlegt werden kann. Hierdurch konnte auch auf den sonst üblichen Außenputz verzichtet werden. Doch von Rückbau ist bislang entgegen ersten Überlegungen keine Rede. Bis in das jetzige Jahr hinein wurde das Haus für Forschungszwecke genutzt – „der Betreuungsaufwand für eine Vermietung – sowie die dann nicht mehr gegebene Zugänglichkeit für Besucher – haben zu einer Änderung der ursprünglichen Planung geführt“, erklärt Frank Heinlein und führt weiter aus: „In diesem Zusammenhang hat die Stadt Stuttgart eine Verlängerung der Standzeit bis Ende 2018 angeregt“. Trotz seiner vielen Innovationen wurde das Gebäude innerhalb von acht Monaten geplant und gefertigt sowie an einem Tag komplett montiert. Wichtige Voraussetzung hierfür war neben dem hohen Grad an Vorfertigung auch die integrale Planungsarbeit eines interdisziplinär besetzten Teams aus Architekten, Ingenieuren und Elektronikspezialisten. Alles in allem, also beste Voraussetzungen, dass es nicht nur bei einem Prototyp bleibt. Ganz im Gegenteil: Was sich bei der Installation 2014 vielleicht noch wie Zukunftsmusik anhörte, ist mittlerweile in der Gegenwart angekommen. Frank Heinlein sagt dazu: „Die Erkenntnisse von B10 wurden unter anderem dazu verwendet, ein modulares Serienprodukt zu entwickeln, das bereits unter der Marke ,aktivhaus‘ vertrieben wird“.



KONTAKTDATEN

Mehr Informationen unter
www.ah-aktivhaus.com


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