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Mitten im normalen Leben

© Lebenshilfe Stuttgart e.V.
© Lebenshilfe Stuttgart e.V.

Menschen mit einer Behinderung und ihre Angehörigen zu unterstützen, wo immer es nötig ist – mit dieser Zielsetzung gründete sich 1960 der gemeinnützige Verein Lebenshilfe Stuttgart e.V. Mittlerweile ist er aus dem Alltag vieler Menschen mit und ohne Handicap nicht mehr wegzudenken; ja, er ist zugleich Anker, aber auch Motor für ein Leben, das so „normal“ als möglich ablaufen soll.

Der Verein Lebenshilfe Stuttgart e.V. bietet seit über 50 Jahren mit seinen Wohngruppen, Werkstätten und Angeboten für Freizeit, Reisen und Familien praxistaugliche und praxisorientierte Perspektiven.
Denn wo früher Behinderte – oftmals aus Scham oder nicht vorhandenem Wissen im Umgang mit Behinderung – regelrecht „versteckt“, also ausgegrenzt, wurden, hat sich doch im Laufe der Jahre glücklicherweise vieles verändert – sowohl bei den Menschen mit Behinderung, ihren Angehörigen, der Lebenshilfe Stuttgart und vor allem in der Gesellschaft. Menschen mit Behinderung dürfen in die Schule, sie dürfen arbeiten gehen und es gibt eigene Wohnmöglichkeiten für sie. Kurz gesagt: Sie sind im wahren Leben angekommen!
Doch die Lebenshilfe Stuttgart möchte noch mehr erreichen. Menschen mit Behinderung sollen selbst entscheiden können, was sie arbeiten, wie sie leben und wo sie wohnen möchten. Sie sollen auswählen können, welche Unterstützung sie brauchen und wer sie unterstützt. Unter diesen Aspekten arbeitet die Lebenshilfe und zeigt mögliche Wege auf.
So betreibt der Verein heute mehrere GmbHs, darunter die Stuttgarter Werkstätten GmbH mit rund 400 Arbeits- und Beschäftigungsplätzen, die Stuttgarter Wohnstätten GmbH (rund 200 Wohnplätze), die Pflege GmbH Lehi Stuttgart, die den Pflegedienst lehimobil betreibt, sowie eine inklusive Kindertagesstätte in Stuttgart-Vaihingen. Konkret bieten die Werkstätten Arbeitsplätze ganz unterschiedlicher Couleur in den Bereichen Handwerk, Dienstleistungen und Industriefertigung. Jeweils acht bis zwölf Werkstattbeschäftigte werden von einem Gruppenleiter betreut. Dieser ist in der Regel ein Handwerksmeister mit einer Zusatzausbildung oder ein Arbeitserzieher. Damit die Werkstattbeschäftigten die Arbeitsaufträge erledigen können, unterteilt die Gruppenleitung einen Auftrag in verschiedene Arbeitsschritte. Hilfsmittel und Vorrichtungen helfen dabei, die Arbeitsschritte fehlerfrei zu erledigen. Als Ergebnis stehen hier Produkte wie Spielzeug, Haushaltswaren, Kerzen, Keramikgeschirr, Seifen, Nudeln, Soßen, Dörrobst, Flädle, Fernsehturm-Kugelschreiber oder Tintenschreiber aus Holz, die allesamt selbst hergestellt werden.
Ob Schreinerei oder Metallwerkstatt, Bäckerei oder Garten- und Landschaftspflege, Verpackung und Konfektionierung, Logistik oder Elektromontage: Die unterschiedlichen Arbeitsgruppen bieten wirkliche Perspektiven für ein, soweit es geht, selbstbestimmtes Leben, wie das Beispiel von Marc L. und Claudia D. zeigt.
Marc ist seit 15 Jahren bei der Lebenshilfe Stuttgart. Nach dem Berufsbildungsbereich wechselte er in die Garten- und Landschaftspflegegruppe (GaLa). Morgens trifft sich die Gruppe zu einem Morgenkreis, wo die anfallenden Arbeiten und Besonderheiten des Tages besprochen werden. Dann geht es los: Die GaLa-Gruppe ist in den Grünanlagen am Egelsee und im Leibfriedschen Garten bis hoch zum Killesberg und Pragsattel tätig. Die acht Gruppenmitglieder mähen den Rasen, schneiden die Sträucher und pflegen die Rosen- und Staudenbeete. Zweimal in der Woche sammeln sie den Abfall ein. Bei fast jedem Wetter sind sie draußen. Wenn es mal gar zu garstig ist, gibt es auch innen einiges zu tun, zum Beispiel die Maschinen und Gerätschaften reinigen und pflegen.
Neben den Arbeitsaufträgen werden arbeitsbegleitende Maßnahmen wie Kurse und Exkursionen angeboten. Die GaLa-Gruppe entwickelt aktuell ein eigenes Spiel.
Seit 2012 lebt Marc mit seiner Freundin in einem Appartement in der Wohnanlage Zuffenhausen. Die beiden werden dort ambulant begleitet, das heißt, Mitarbeiter der Lebenshilfe unterstützen sie, wo notwendig. Sie haben durch ein Wohntraining gelernt, den Alltag selbstständig zu meistern. Bei Geld- und Behördenangelegenheiten bekommen sie Hilfe. Kennengelernt haben sich die beiden in der Werkstatt am Löwentor.
Die Wohngemeinschaften sind in ganz Stuttgart verteilt, so zum Beispiel in Zuffenhausen, im Bohnenviertel, in Obertürkheim, Möhringen oder auch Stuttgart-Nord. Entsprechend den Bedürfnissen der Wohnkunden gibt es dabei ganz verschiedene Wohnformen, angefangen als Gruppe oder Wohngemeinschaft von vier und zwölf Personen oder – wie oben beschrieben – ambulant begleitet als Einzel- beziehungsweise Paarwohnen.
Für Menschen mit einer schwereren Behinderung gibt es die sogenannten Förder- und Betreuungsgruppen. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Förderung und Erhaltung basaler Fähigkeiten, wie zum Beispiel selbstständig essen, an- und ausziehen, Bedürfnisse äußern oder kleinere Tätigkeiten ausüben. Verschiedene Therapien, wie beispielsweise tiergestützte Therapie oder Kunsttherapie, unterstützen diese Arbeit.
Ebenfalls direkt zum Verein gehört das Teilhabenetzwerk mit seinen Angeboten für Familien, Kinder und Jugendliche: Einzelbetreuung in der Familie oder bei Unternehmungen, Beratung, Ferienangebote, Reisen für Jugendliche und Erwachsene – hier gibt es sowohl Gruppen- als auch individuelle Reisen – sowie Wochenendangebote.


KONTAKTDATEN

Mehr Informationen auf
www.lebenshilfe-stuttgart.de


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